Fahrerportrait aus dem Gruppe-A-Archiv · zur Motorsport-Übersicht · Die Evolution des Rennwagens
Foto: Pressefoto (1974), gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Gianfranco Brancatelli, geboren am 18. Januar 1950 in Turin, hat in der Weltmeisterschaftssaison 1987 die vielleicht wichtigsten 40 Punkte der M3-Geschichte eingefahren: Als in Bathurst die beiden zuerst platzierten Ford Sierra disqualifiziert wurden, gingen die vollen WM-Punkte an den CiBiEmme-M3 von Brancatelli und Johnny Cecotto – genau der Vorsprung, mit dem Roberto Ravaglia am Saisonende Weltmeister wurde. Ein Punkt trennte Ravaglia von Ludwig und Niedzwiedz; ohne Bathurst wäre die Rechnung anders ausgegangen.
Brancatelli – im Fahrerlager „Branca" – kam aus dem italienischen Formelsport: Meister der Formula Italia 1974, Formel-3-Vizeeuropameister, Formel 2, dazu 1979 drei erfolglose Qualifikationsversuche in der Formel 1 mit dem hoffnungslosen Kauhsen und bei Merzario. Die Tourenwagen wurden seine eigentliche Bühne: 1985 gewann er auf dem Volvo 240 Turbo die Tourenwagen-Europameisterschaft, 1987 wechselte er ins italienische CiBiEmme-Team auf den M3.
Dort gewann er im WM-Jahr in Dijon (mit Cecotto) und holte in der parallel laufenden Europameisterschaft zwei weitere Laufsiege in Estoril und Zeltweg. In der WM-Endwertung stand er punktgleich mit Cecotto auf 158 Zählern – die Tabellen führen ihn je nach Quelle als Achten oder Neunten.
| Jahr | Serie | Team | Strecke / Rennen | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 1987 | Tourenwagen-WM | CiBiEmme | Sieg in Dijon (10.05., mit Cecotto); Bathurst: 7. Gesamt, volle WM-Punkte als bestgemeldeter Wagen | 158 Punkte (8./9. je nach Quelle) |
| 1987 | Tourenwagen-EM | CiBiEmme | Siege in Estoril (26.04.) und Zeltweg (14.06., je mit Cecotto) | zwei Laufsiege |
| 1988 | Tourenwagen-EM | CiBiEmme | Saison | Einzelergebnisse nicht ermittelt |
Der italienische Tourenwagentitel 1988, der Brancatelli manchmal mit dem M3 zugeschrieben wird, wurde tatsächlich im Alfa Romeo 75 Turbo des Jolly Club errungen – kein M3-Erfolg. Und sein Spa-Sieg 1989 fiel im Ford Sierra RS500: Er ist damit einer der Fahrer, die dem M3 die dort oft behauptete „durchgehende Siegesserie" persönlich verdorben haben.
1989 wurde Brancatellis stärkstes Jahr außerhalb der BMW-Welt: der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa im Eggenberger-Ford und Platz zwei beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Sauber-Mercedes C9. Später fuhr er Superturismo und Langstrecke, ehe er sich vom aktiven Sport zurückzog. In der M3-Geschichte bleibt er der Mann, dessen Bathurst-Punkte eine Weltmeisterschaft entschieden.
Quellen dieser Seite: Gianfranco Brancatelli (Wikipedia IT, SnapLap-Porträt) · 1987 World Touring Car Championship (Wikipedia EN) · Motorsport Winners zur Tourenwagen-EM 1987 · Motor Sport Magazine zum Spa-Sieg 1989. Abweichende Angaben sind im Text gekennzeichnet.
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