Dieter Quester – fünf Jahrzehnte BMW

Fahrerportrait aus dem Gruppe-A-Archiv · zur Motorsport-Übersicht · Die Evolution des Rennwagens


Dieter Quester Foto: Lothar Spurzem (1973), CC BY-SA 2.0 DE, via Wikimedia Commons

Als der M3 1987 debütierte, saß im Schnitzer-Aufgebot ein Mann, der schon Tourenwagen-Europameister gewesen war, bevor die meisten seiner Teamkollegen den Führerschein hatten. Dieter Quester, geboren am 30. Mai 1939 in Wien, war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt und fuhr sein zwanzigstes Jahr für BMW – die längste Werksfahrer-Beziehung, die die Marke je hatte.

Sein Weg in den Motorsport war ungewöhnlich: Quester begann 1957 im Motorbootrennsport und wurde 1962 Europameister der 500er-Rennbootklasse, fuhr dann Motorradrennen und stieg erst 1965 ins Auto um. Seine erste Frau war die Tochter von Alex von Falkenhausen, dem legendären BMW-Motorenchef – die Verbindung zu München war also auch familiär. Viermal wurde er Tourenwagen-Europameister: 1968 und 1969 auf dem BMW 2002 ti, 1977 auf dem Alpina-BMW 3,5 CSL, 1983 auf dem 635 CSi. Dazu kamen Formel-2-Erfolge und ein einziger Formel-1-Start, 1974 in Österreich, Platz neun.

Im M3-Kapitel war Quester der Langstrecken-Routinier: Weltmeisterschafts-Einsätze 1987 für Schnitzer und der Spa-Sieg 1988 mit Ravaglia und Heger. Unvergessen ist sein DTM-Auftritt auf der AVUS 1990, als er im M3 nach einem Überschlag auf dem Dach liegend über die Ziellinie rutschte – und als Dritter gewertet wurde. Die Bilder gingen um die Welt.

Quester im M3, Jahr für Jahr

JahrSerieTeamStrecke / RennenErgebnis
1987Tourenwagen-WMSchnitzerSaison; 24 h Spa mit Ratzenberger/Oestreich/Ravaglia39 Punkte; Spa: 26.
1988DTMTeam nicht ermittelt (#33)SaisonEndplatzierung nicht ermittelt
198824 h SpaSchnitzerSpa-Francorchamps (mit Ravaglia/Heger)Gesamtsieg
1989DTMBMWSaisonEndplatzierung nicht ermittelt
1990DTMBMWAVUS (06.05.) – Überschlag auf der Ziellinie3. Platz, auf dem Dach gewertet

Der Marathon-Mann

Questers Karriere endete nicht mit der Gruppe A – sie endete eigentlich nie. Rund 60 Starts bei 24-Stunden-Rennen stehen in seiner Bilanz, Gesamtsiege in Dubai und Silverstone holte er noch 2006 und 2007, sein letztes Rennen fuhr er mit 79 Jahren. Dazu gehört eine der besten Anekdoten des deutschen Tourenwagensports: die tote Forelle, die er dem Dauerrivalen Hans Heyer als Retourkutsche in den Helm legte. Wer die Geschichte des BMW-Motorsports erzählt, kommt an Quester nicht vorbei – der M3 war für ihn nur ein Kapitel von vielen, aber er hat es mitgeschrieben.


Quellen dieser Seite: Dieter Quester (Wikipedia DE/EN) · Speedweek-Porträt („Der Marathon-Mann") · 1987 World Touring Car Championship und 1987 Spa 24 Hour (Wikipedia EN) · Siegerliste 24 h Spa. Abweichende Angaben sind im Text gekennzeichnet.

Alle Fahrerportraits: Ravaglia · Cecotto · Pirro · Heger · Quester · Winkelhock · Nissen · Danner · Soper · van de Poele · Giroix · Duez · Vogt · Brancatelli · Oestreich · J.-M. Martin · Richards · Longhurst · Sytner · Hoy · Béguin · Chatriot · Snijers

Zurück: Saison 1989 – Elf Wochenenden, zweiundzwanzig Rennen  |  Motorsport-Übersicht

online seit 2001 · wieder aufgebaut 2026
Impressum · Datenschutz · s14.de – Magazin für klassische BMW