Fahrerportrait aus dem Gruppe-A-Archiv · zur Motorsport-Übersicht · Die Evolution des Rennwagens
Foto: Champion Spark Plug Europe (1982), freie Nutzung gestattet, via Wikimedia Commons
Wenn ein einziger Name für die Rennkarriere des M3 E30 stehen muss, dann dieser. Roberto Ravaglia, geboren am 26. Mai 1957 in Venedig, aufgewachsen im Stadtteil Mestre, gewann mit diesem Auto die Weltmeisterschaft 1987, die Europameisterschaft 1988 und die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft 1989 – drei verschiedene große Titel in drei aufeinanderfolgenden Jahren, alle mit demselben Team: Schnitzer Motorsport. In Italien trugen sie ihm Beinamen wie „Il Doge" ein, nach dem Staatsoberhaupt der alten Seerepublik Venedig.
Der Weg dorthin war nicht vorgezeichnet. Ravaglia war zweifacher italienischer Kart-Meister, doch das Geld der Familie reichte nicht für den üblichen Aufstieg durch die Formelklassen. 1980, während seines Maschinenbau-Studiums in Padua, gewann er eine Nachwuchssichtung der Zeitschrift Autosprint und fuhr danach Formel 3. 1984 nahm er das Angebot von BMW an, in den Tourenwagensport zu wechseln – die Entscheidung seines Lebens. Schon 1986 wurde er auf dem BMW 635 CSi Tourenwagen-Europameister, 1985 gewann er die 24 Stunden von Spa, unter anderem mit Gerhard Berger als Teamkollegen.
Im M3 wurde aus dem schnellen Italiener der erfolgreichste Tourenwagenfahrer seiner Zeit – und der einzige Tourenwagen-Weltmeister der Geschichte, denn die WTCC von 1987 blieb die einzige ihrer Art. Seine Stärke war nicht der einzelne spektakuläre Auftritt, sondern die Konstanz über lange Saisons: Der WM-Titel 1987 fiel mit einem Punkt Vorsprung, der DTM-Titel 1989 mit elf – jeweils gegen Gegner, die mehr Rennen gewannen als er.
| Jahr | Serie | Team | Strecke / Rennen | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| 1987 | Tourenwagen-WM | Schnitzer | Sieg in Jarama (19.04., mit Pirro/Ratzenberger) und Silverstone (06.09., WM-Wertung); Disqualifikation in Monza | Weltmeister, 269 Punkte |
| 1987 | Macau | Schnitzer | Guia-Rennen | Sieg |
| 1988 | Tourenwagen-EM | Schnitzer | Siege u. a. in Donington (17.04.) und Zolder (21.08., je mit van de Poele) | Europameister |
| 1988 | 24 h Spa | Schnitzer | Spa-Francorchamps (mit Quester/Heger) | Gesamtsieg |
| 1989 | DTM | Schnitzer | Laufsiege: Zolder (09.04., beide Läufe), AVUS (28.05., Lauf 1) | Meister, 285 Punkte |
| 1989 | 24 h Nürburgring | Schnitzer | Nordschleife, Startnummer 35 (mit Pirro/Giroix) | Gesamtsieg |
| 1990 | Italienische Meisterschaft | Schnitzer | Saison, sieben Laufsiege | Meister |
| 1990 | DTM (Teilprogramm) | Schnitzer | Norisring (01.07.), Lauf 2 | Laufsieg |
| 1991 | Italienische Meisterschaft | Team nicht ermittelt | Saison | Meister |
| 1992 | DTM | BMW (Werksaufgebot) | Doppelsieg beim Finale in Hockenheim (11.10.) – die letzten DTM-Siege des M3 | 7., 134 Punkte |
| 1992 | Macau | — | Guia-Rennen | 3. Platz |
Zur Siegzahl 1989: Die Saisonartikel nennen drei Laufsiege, eine Zusammenfassung vier – einzeln belegbar sind drei. Wir bleiben bei drei.
Die Verbindung zu BMW riss nie ab. 1993 wurde Ravaglia auf dem Nachfolger 318i erneut italienischer Meister, 1994 gewann er ein viertes Mal die 24 Stunden von Spa, 1995 das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Bis 1997 sammelte er nach den gängigen Statistiken 52 Rennsiege und über 130 weitere Podestplätze. Danach wechselte er die Seite: Als Teamchef führte er BMW-Mannschaften in der Superturismo- und GT-Szene, unter anderem gewann Alex Zanardi 2005 in einem Auto seines Teams. Bis heute gilt: Kein Fahrer ist enger mit dem M3 E30 verbunden – und keiner hat mehr mit ihm gewonnen.
Quellen dieser Seite: Roberto Ravaglia (Wikipedia DE/EN/IT, Biografie und Titelbilanz) · 1987 World Touring Car Championship und 1987 Spa 24 Hour (Wikipedia EN) · DTM-Saisonartikel 1989–1992 (Wikipedia DE) · Motorsport Winners zur Tourenwagen-EM 1988 · BMW Group PressClub. Abweichende Angaben sind im Text gekennzeichnet.
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