Der BMW M3 E30 im Motorsport – Gruppe A 1987 bis 1992

Der M3 existiert, weil ein Reglement ihn verlangte. Die Gruppe A schrieb vor, dass ein Rennwagen aus einem Serienfahrzeug hervorgehen musste, von dem in zwölf Monaten mindestens 5.000 Stück gebaut wurden. Wer gewinnen wollte, musste also nicht den besten Rennwagen bauen, sondern das beste Serienauto. BMW tat genau das – und schickte das Ergebnis am 29. März 1987 zum ersten Mal in ein DTM-Rennen. Es gewann.

Was folgte, waren sechs Jahre, in denen dieses Auto auf vier Kontinenten antrat und dabei fast alles gewann, was zu gewinnen war. Auf diesen Seiten ist jede Saison einzeln aufgearbeitet: mit vollständigen Rennkalendern, Siegerlisten, Meisterschaftsständen und dem, was drumherum passierte. Alle Angaben sind mit Quellen belegt; wo sich Quellen widersprechen, nennen wir beide, statt eine davon zu glätten.

Die sechs Saisons

SaisonDTM-LäufeM3-SiegeBestes DTM-ErgebnisDas Jahr in einem Satz
1987105 Meister
Eric van de Poele
Debütsieg im ersten Rennen, dazu Welt- und Europameistertitel
1988225 4. – Markus Oestreich Der Ford Sierra RS500 schlägt zurück, die DTM verdoppelt ihre Läufe
1989227 Meister
Roberto Ravaglia
Ravaglias vierter Titel in vier Jahren, letzte Turbosaison
1990229 2. – Johnny Cecotto Die meisten Siege aller Zeiten – und trotzdem kein Titel
199120 gewertet7 (+1) nicht in den ersten drei Vier Siege in den ersten vier Läufen, dann Stillstand
1992247 nicht in den ersten drei Letzte Gruppe-A-Saison, Doppelsieg zum Abschied
Summe120402 Titel

Was außerhalb der DTM passierte

Die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft war nur ein Teil des Programms. In denselben sechs Jahren gewann der M3:

WettbewerbJahreFahrer
Tourenwagen-Weltmeisterschaft (einzige Saison)1987Roberto Ravaglia
Tourenwagen-Europameisterschaft1987, 1988Winfried Vogt, Roberto Ravaglia
24 Stunden von Spa1987, 1988, 1990, 1992u. a. van de Poele, Ravaglia, Cecotto, Danner
24 Stunden Nürburgring (vier in Folge)1989, 1990, 1991, 1992u. a. Pirro, Heger, Winkelhock, Cecotto
British Touring Car Championship1988, 1991Frank Sytner, Will Hoy
Italienische Superturismo-Meisterschaft1989, 1990, 1991Johnny Cecotto, Roberto Ravaglia
Französische Meisterschaft (Rundstrecke)1987–1990Fabien Giroix, Jean-Pierre Malcher
Französische Rallye-Meisterschaft1989, 1990François Chatriot
Tour de Corse (Lauf zur Rallye-WM)1987Bernard Béguin
Australische Tourenwagen-Meisterschaft1987Jim Richards
Belgische Rallye-Meisterschaft1988, 1989Patrick Snijers, Marc Duez

Der Sieg bei der Tour de Corse 1987 verdient eine eigene Anmerkung: Es blieb der einzige Laufsieg des M3 in der Rallye-Weltmeisterschaft – und zugleich der letzte WRC-Sieg eines heckgetriebenen Fahrzeugs mit Saugmotor überhaupt. Danach gehörte die Kategorie den Allradturbos.

Drei Titel in einem Jahr

Das Jahr 1987 nimmt in dieser Aufstellung eine Sonderrolle ein. Der M3 gewann in seiner ersten Saison die Weltmeisterschaft, die Europameisterschaft und die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft. Kein anderer Tourenwagen hat das je in einem einzigen Jahr geschafft.

Genau darauf stützt BMW den Superlativ vom „erfolgreichsten Tourenwagen aller Zeiten" – auf fünf Titel, nicht auf eine Siegstatistik. Eine belastbare Gesamtsiegzahl für den E30 existiert nicht; die kursierende Angabe von über 1.500 Siegen bezieht sich auf alle M3-Generationen zusammen. Wir nennen deshalb lieber die Zahlen, die sich belegen lassen.

Der Weltmeistertitel selbst fiel übrigens mit einem Punkt Vorsprung – und beide Entscheidungen, die dazu führten, fielen nach dem Zieleinlauf: In Monza wurden die Werks-M3 wegen Untergewicht durch Kevlarteile disqualifiziert, in Bathurst die führenden Ford Sierra wegen veränderter Radhäuser. Die ganze Geschichte steht auf der Seite zur Saison 1987.

Was in vielen Erfolgslisten falsch steht

Bei der Recherche für dieses Archiv sind mehrere Angaben aufgefallen, die weit verbreitet, aber nachweislich falsch sind. Wir führen sie hier auf, weil sie immer wieder abgeschrieben werden:

Verbreitete AngabeTatsächlich
Der M3 gewann Spa 1987–1992 durchgehendNur 1987, 1988, 1990 und 1992. 1989 gewann ein Ford Sierra, 1991 ein Nissan Skyline GT-R
Der M3 gewann das Bathurst 1000Nie. Beste Ergebnisse: zwei vierte Plätze, 1988 und 1992
Australische Meisterschaft 1988Falsch. 1988 gewann Dick Johnson im Ford Sierra. Der M3-Titel war 1987
Französische Meisterschaft 1991Falsch. 1991 gewann Xavier Lapeyre im Audi 80 quattro

Die verbreitete Erfolgsliste, aus der diese Fehler stammen, nennt weder Fahrer noch Quellen. Wir haben sie deshalb nicht übernommen.

Wie die Gruppe A endete

Das Reglement, das den M3 hervorgebracht hatte, hielt nicht durch. Die Weltmeisterschaft wurde nach einer einzigen Saison 1987 eingestellt, die Europameisterschaft nach 1988 – in beiden Fällen wegen der Kosten. Die DTM überlebte, indem sie 1993 auf das FIA-Klasse-1-Reglement wechselte: 2,5 Liter, bis zu sechs Zylinder, Kohlefaser-Monocoque, ABS, Allradantrieb und elektronische Fahrhilfen ausdrücklich erlaubt. Die Serienbindung fiel damit praktisch weg.

Das Muster wiederholte sich weltweit: In Australien und Japan lief die Gruppe A ebenfalls bis 1992 beziehungsweise 1993 aus, überall aus demselben Grund. Ein Reglement, das die Serienbindung vorschreibt, ohne die Klasse zu begrenzen, belohnt am Ende den Hersteller mit dem größten Serienmotor – erst den Ford Sierra RS500, dann den Audi V8 quattro, schließlich den Nissan Skyline GT-R.

Der M3 E30 war das letzte Auto, das ausschließlich für dieses Reglement entstanden war. Als es verschwand, verschwand auch er aus dem Spitzensport – nicht aber von den Rennstrecken: Im Historienrennsport fährt er bis heute.

Zur Arbeitsweise dieser Seiten

Jede Saisonseite nennt am Ende ihre Quellen. Wo Angaben auseinandergehen – etwa bei der Zahl der gewerteten Läufe 1988 oder bei der Datierung des Turboverbots – stehen beide Versionen im Text, jeweils mit Herkunft. Wo sich etwas nicht belegen ließ, steht „nicht ermittelt" statt einer plausibel klingenden Zahl. Das betrifft vor allem einzelne Teamzuordnungen der Saison 1992 und mehrere nationale Titel, die BMW ohne Einzelnachweis für sich beansprucht.

Ergänzungen sind willkommen. Wer Programmhefte, Nennlisten, Startnummernverzeichnisse oder Fotos aus den Jahren 1987 bis 1992 besitzt, hilft diesem Archiv mehr als jede weitere Onlinerecherche – besonders zu den Rennen außerhalb Deutschlands, für die im Netz kaum belastbare Quellen existieren.


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